Neue Kunstgeneration: Die Podium´09-Sieger__

"Sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Einreichungen für >Podium ´09< stellen ein kräftiges Lebenszeichen der jungen, innovativen Kulturszene Salzburgs dar", freut sich Kulturreferent LHStv. David Brenner über den Erfolg von "Podium ´09 – Kunst der neuen Generation".

"Wir wollen Salzburg als spannendes, innovatives und lebendiges Kulturland weiterentwickeln und uns nicht nur auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen.
Deshalb haben wir 2008 eine neue, mit 100.000 Euro dotierte Kulturförderschiene mit dem Titel >Podium – Kunst der neuen Generation< initiiert" erläutert Brenner.
Ziel von "Podium ´09" sei eine Art "Entdeckungsreise" bei der es darum gehe, speziell solche kulturellen Ausdrucksformen der neuen Generation ausfindig zu machen, die nicht in vorhandene Schemata und Sparten-Vorgaben passen, neue Räume definieren und deshalb bisher nicht auf dem Radar der Kulturförderung aufscheinen, so Brenner weiter.

Jury wählte acht aus 105 eingereichten Projekten aus


Bereits die erste Ausschreibung im Vorjahr war ein großer Erfolg und zeigte mit mehr als 80 Einreichungen das enorme Potential der neuen, innovativen Kunstszene in Salzburg. David Brenner: "Heuer konnte dieses tolle Ergebnis noch einmal übertroffen werden und wir erhielten 105 spannende Einreichungen. Das übersteigt bei weitem die Resonanz auf vergleichbare Ausschreibungen. Heute stellen wir nun die acht von der Jury ausgewählten Siegerprojekte vor, deren Realisierung wir damit unterstützen werden".

Breite Palette an künstlerischen Ausdrucksformen vertreten


Mit der Auswahl der Siegerprojekte zeigt sich Brenner hochzufrieden. Die Palette der ausgewählten Siegerprojekte ist bunt und beinhaltet vielfältigste Projekte. Diese reichen vom berührend-witzigen Vergangenheitsbewältigungsprojekt mit modernen Mitteln über interdisziplinäre Grenzgänge zwischen U und E, analog und digital bis hin zu Breakdance-Battles zwischen Mensch und Maschine, Mulitmedia-Installationen und experimentellem Realitätstheater. David Brenner erklärt: "Eines haben alle Projekte gemeinsam: Sie erfüllen in hervorragender Weise den Anspruch von >Podium<, neue künstlerische Räume zu entdecken und zu definieren. So wird es ein historisch aufklärendes Kunstprojekt im Land-Wirtshaus ebenso geben wie Tanzperformances in neuen, virtuellen Räumen. Es werden neue Räume innerhalb des öffentlichen Raums geschaffen und es werden durch die Kombination verschiedenster neuer Technologien neue Bewegungsräume wie auch neue kunsttheoretische und -philosophische Räume aufgetan."

Was ist neu an "Podium ´09"?


Brenner kennt auch die Gründe für den Erfolg: "Wir haben aus der ersten Ausschreibung gelernt, haben zahlreiche Rückmeldungen ausgewertet und mancherlei verbessert. So haben wir diesmal die Ausschreibung früher im Jahr vorgenommen und die inhaltlich-thematische Gewichtung geschärft, wobei uns insbesondere die Erschließung neuer künstlerischer Räume wichtig war. Den Begriff der neuen Räume haben wir bewusst sehr umfassend definiert und damit sowohl geographische, wie auch virtuelle Räume einbezogen".

Auch die von vielen gewünschte, neu gestaltete Bewerbungsstrategie hat funktioniert. Ziel war es, die Bewerbung für diese Kunst-Ausschreibung ebenfalls künstlerisch hochwertig und aus einem Guss zu gestalten; sowohl auf Flyern und Plakaten, wie auch im Internet. Insbesondere die neue, eigens eingerichtete "Podium"-Homepage habe sich bewährt. "Unter der - von der Medienkünstlerin Claudia Rohrmoser gestalteten - Homepage www.podium09.at wird man künftig auch eine umfassende Dokumentation zu allen geförderten Projekten finden. Darüber hinaus arbeiten wir gerade intensiv an der Erstellung einer Präsentationsbroschüre für die Siegerprojekte. Dies ist sowohl im Sinne der Transparenz als auch in punkto Nachhaltigkeit eine wichtige Erneuerung", so Brenner weiter.
Eine weitere Neuerung: Alle Podium-Projekte sollen heuer geblockt im November realisiert werden

Anspruchsvolle Aufgabe für die Jury


Kulturreferent David Brenner: "Mein besonderer Dank gilt der Jury, die es sich gewiss nicht leicht gemacht hat und alle eingereichten Projekte ausführlich diskutierte und bewertete. Die Jury hat hervorragende Arbeit geleistet und würdige Projekte ausgewählt, die der Intention von >Podium< sehr gut entsprechen, neue kulturelle Ausdrucksformen zu finden, sie zu unterstützen und ihnen den Weg ans Licht der Öffentlichkeit zu bahnen".

Die Jury, bestehend aus Marianne Lang (FM4), Julia Murmelter (Kulturlabor Stromboli, Hall in Tirol) und Markus Hank (Autor) hat aus den insgesamt 105 Einreichungen acht Projekte ausgewählt und für eine Förderung vorgeschlagen. Die Entscheidungen fielen jeweils einstimmig. "Die Jury ist völlig frei in ihren Entscheidungen und hat sich heuer dafür entschieden, acht Projekte auszuwählen, die exemplarisch für die Innovations-Idee hinter >Podium´09< stehen. Es hätten auch 30 Projekte sein können oder, wie im Vorjahr, zehn Projekte oder auch nur fünf. Entscheidend ist, dass mit der finanziellen Unterstützung von >Podium< die Projekte realisierbar sind", ergänzt Brenner

Jurysprecher Hank: "Die besten 30 lagen dicht beisammen"


Stellvertretend für die Jury berichtet der Autor Markus Hank: "Die Auswahl war nicht leicht. Neben der großen Anzahl an Einreichungen hatten wir es auch mit einer hohen qualitativen Dichte zu tun. Rund 80 Prozent der Einreichungen erfüllten die Ausschreibungs- bzw. Förderkriterien und die aus Jury-Sicht 30 besten Projekte lagen relativ dicht beisammen".

Entscheidende Auswahlkriterien für die Jury seien gewesen: Interdisziplinarität, Berücksichtung des Wirkungs- und Aufführungsortes (Stadt/Land Salzburg), kritische und aktuelle Fragestellungen in der Thematik und/oder Durchführung, der Vernetzungscharakter zwischen unterschiedlichen Sparten, Sichtbarkeit, gesellschaftliche Relevanz, Realisierbarkeit sowie Innovationspotential und experimentelle Eigenschaften und Zugänge.

Die acht Siegerprojekte__

Projektname: "Kamerad"


Kulturverein KunstBox Seekirchen/Gruppe "Kreisverkehr"
(Jakob Buchner, Thomas Stadler)
(Förderung: 9.700 Euro)

Jurybegründung:
Zuprosten, Glas abstellen, trinken – ein Ritual, das tagtäglich unhinterfragt zelebriert wird. Die Gruppe "Kreisverkehr" des Kulturvereins KunstBox Seekirchen stellt dazu kritische Fragen und nähert sich dem Thema Vergangenheitsbewältigung auf erfrischende Art und Weise. Ihre Installation des Biertrinkers hat aufklärerischen Charakter, ist berührend und witzig zugleich. Wie selbstverständlich holt sie moderne Kunst ins Wirtshaus und knallt historische Fakten mit einem Faustschlag auf die Stammtische. Die Innovationskraft und der aufrüttelnde Charakter des Projekts "Kamerad" haben die Jury vollends überzeugt.

Projektname: "Reverb.On / The Tortoise, His Dreams and Journeys"


Künstlerduo "depart" (Gregor Ladenhauf, Leonhard Lass)
(Förderung: 19.800 Euro)

Jurybegründung:
Mit "Reverb. On/The Tortoise, His Dreams and Journeys" arbeitet das Künstlerduo depart an der Aufhebung der klassischen Trennung zwischen sogenannter E- und U-Musik. "Sowohl das musikalisch-elektronische Experiment wie auch Klassiker zeitgenössischer Komposition finden ihr Publikum leider meist nur im musikwissenschaftlichen und akademischen Kontext. Die Schaffung einer Zielgruppenerweiterung und eines sichtbaren Aufführungsrahmens ist daher zu begrüßen", so die Jury. Der interdisziplinäre wie dialektische Ansatz Analog und Digital, Orchester und Monotonie, ortsunabhängige Elektronik und die archaische Örtlichkeit des Halleiner Salzstocks in einer elektroakustischen Perfomance zu verbinden, hat die Jury dazu bewogen, diese Inszenierung eines experimentellen Klangraums zu empfehlen.

Projektname: "Lebensmittel"


"Künstlergruppe 0813" (Sarah Blaser, Nadia El-Ayachi, Ulli Golesch, Michaela Grieshaber, Juliana Guger, Anna-Maria Hörfarter, Andreas Prause, Martina Stock, Marion Zwerger).
(Förderung: 5.000 Euro)

Jurybegründung:
Die acht Projekteinreicher der "Künstlergruppe 0813" sind allesamt Studierende an der Universität Mozarteum aus den Bereichen Malerei, Grafik, Bildhauerei und Textiles Gestalten. Sie setzen sich theoretisch und künstlerisch gekonnt mit dem Thema Lebensmittel auseinander. In einer interdisziplinären Ausstellung soll die Frage nach der Notwendigkeit mancher Produkte gestellt werden – global versus regional, Greisler versus Hypermarkt. Die thematische Aktualität und der spartenübergreifende Ansatz des Projekts überzeugten die Jury. Ebenso die Tatsache, dass die Kunst in einem alten Lebensmittelgeschäft präsentiert wird, somit der Ort der Ausstellung in den Kunstdiskurs mit einbezogen und ein "neuer Raum" erschlossen wird.

Projektname: "Boulevard of Broken Dreams"


(Barbara Musil)
(Förderung: 13.600 Euro)

Jurybegründung:
Der "Boulevard of Broken Dreams" hat im letzten Jahr eine erschreckende Aktualität erlangt. Auf dieser "Straße" scheint nach der platzenden Immobilienblase in den USA, dem weltweiten Finanzmarktkollaps und der folgenden Weltwirtschaftskrise das Hauptverkehrsgeschehen Platz gefunden zu haben. Die künstlerische Montage von zu verkaufenden Immobilien und Eigenheimen durch die Künstlerin Barbara Musil, schafft einen unwirklichen Ort, der in seiner Darstellung die Wirklichkeit sehr treffend beschreiben könnte. Gerade die Idee, dieses Kunstwerk auf Plakatwänden im öffentlichen Raum zu positionieren, könnte in dieser Form eine Umkehrung dessen bewirken, was bei Immobilienangeboten bislang üblich war, nämlich die werbewirksame Suggestion einer fortwährenden Wohlstandsprosperität durch klassische Verkaufsangebote in Schaufenstern von Kreditinstituten und Immobilienmaklern.

Projektname: "Versus"


Künstlerduo "1n0ut" (Reinhold Bidner, Robert Praxmarer)
(Förderung: 13.500 Euro)

Jurybegründung:
Mensch gegen Maschine. Das Künstlerduo "1nOut", bestehend aus Robert Praxmarer und Reinhold Bidner nähert sich diesem Thema mit einem neuen, experimentierfreudigen Ansatz: Nach dem Vorbild der "Breakdance-Battles" lassen sie einen realen Tänzer und seinen virtuellen Gegenpart um die Wette tanzen und voneinander lernen. Es handelt sich also um eine live visualisierte Breakdance-Battle von Mensch und Maschine. "1n0ut stellen so nicht nur die Sub- und Jugendkultur des Streetdance in einen neuen Kontext, sondern liefern durch die enge Verknüpfung von Medienkunst und Darstellender Kunst der Tanzszene neue Ansätze", erläutert David Brenner. Die Jury zeigte sich begeistert vom innovativen und experimentellen Charakter des Projekts auf hohem künstlerischen und technischen Niveau.

Projektname: "Durchgangszone"


Benjamin Hohnheiser
(Förderung: 10.000 Euro)

Jurybegründung:
Das Projekt "Durchgangszone" widmet sich der Diskussion über die Bedeutung des öffentlichen Raums, seiner Nutzung, wie auch seiner Wahrnehmung. In dieser stets aktuellen, wenn auch nicht neuen Diskussion, versucht sich Benjamin Hohnheiser mit der Produktion von bespielbaren "Störfaktoren" an einer sinnlichen Auseinandersetzung mit technischen Möglichkeiten und dem eigenen Verhalten gegenüber Angeboten, die den zum "Transportkorridor" degradierten öffentlichen Raum aufbrechen. Das Projekt stellt eine Aufforderung zum Spiel mit den künstlich geschaffenen Hindernissen im alltäglichen "Wegevollzug" dar.

Projektname: "Black Box"


Künstlergruppe "the guinea pig collective"
(Iris Heitzinger, Christine Hinterkörner, Dietmar Suoch)
(Förderung: 10.000 Euro)

Jurybegründung:
Künstlergruppe "the guinea pig collective" setzt sich in dem interdisziplinären Projekt "Black Box" kritisch mit Multimedialität auseinander. In einer interaktiven Installation, die darstellende, audiovisuelle und Medienkunst mit neuen Technologien verbindet, werden moderne Kommunikationsmechanismen dargestellt und hinterfragt. Zentral ist dabei die Fragestellung nach Intimität im virtuellen Raum. Das Projekt stellt theoretische Überlegungen und künstlerische Umsetzung in eine unmittelbare Beziehung zu einander, was die Jury ebenso überzeugte, wie die Aktualität der Thematik, der interaktive Ansatz und die spartenübergreifende Herangehensweise.

Projektname: "Postamt Mitzi"


("Mitzi" steht hier als Abkürzung für Stadtmitte Itzling)
(Dorit Ehlers, Gisela Ruby, Arthur Zgubic u.a.)
Netzwerk "ohnetitel" für Theater- und Kunstprojekte
(Förderung: 18.000 Euro)

Jurybegründung:
Die E-Mail hat den Brief abgelöst. Immer mehr Postämter schließen. Das "Postamt Mitzi" hält diesem Trend mit experimentellem Realitäts-Theater entgegen. Die Vielschichtigkeit und Tiefe des Projekts bzw. der aufgezeigten Facetten hat die Jury überzeugt. Die originelle Idee und Umsetzung überzeugen und versprechen durch die Einbettung in eine ganze Projektreihe ("Vorstadt vor Ort") Nachhaltigkeit. Künstlerinnen und Künstler diverser Sparten kommen zusammen und haben die Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren – ganz im Sinne der Ausschreibung.

Brenner: "Dürfen gespannt sein auf den >Podium 09<-November und die Realisierung der Siegerprojekte"


Nun, da die Siegerprojekte feststünden, können die Künstlerinnen und Künstler an die Realisierung ihrer ambitionierten Projekte gehen, freut sich Kulturreferent David Brenner. "Ich rate allen, die an neuen, innovativen kulturellen Ausdrucksformen interessiert sind, sich den November schon jetzt dick im Kalender anzustreichen. Die konzentrierte Präsentation der Projekte in diesem Monat sollte einen weiteren Impuls für die öffentliche Wahrnehmung neuer kultureller Strömungen und Ideen in Salzburg bringen", hofft Brenner abschließend.